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Koshima Aki Simple Schatten
Ich will ein Geheimnis lüften. Wenn es dann ausgestunken ist, kann ich es zurückhängen in den dämmrigen Winkel. In meinen
Fotos leben Schatten, und so manchem Bildbetrachter drängt sich der Eindruck auf, die Luft sei dort lautlos in sich versunken und das Dunkel von einer unveränderlichen Stille beherrscht. Dabei sind es nur simple
Schatten, die wie die Protagonisten eines Schriftstellers mehr oder weniger seinem Geist entsprungen sind und mit jedem weiteren Wort seines Romans lebendiger werden und ein Eigenleben entwickeln. Dies geschieht
auf der Basis einer Summe von Lebenserfahrungen, die der Schriftsteller in seinem Gehirn gespeichert hat und seiner Hoffnung, beim Leser auf ähnliche Erfahrungen zu treffen, so daß sich Bilder und Gefühle
zwischen den Zeilen ergeben. Als Kind überkam mich oft eine unaussprechliche Furcht, ein Frösteln, wenn ich in einem fremden dunklen Zimmer zu nächtigen hatte und in die Wandnische hineinstarrte, wo kein
Mondlicht oder der Lichtstrahl einer Straßenlaterne hingelangte. Schaltete man eine Lampe an, so scheuchte man den in diesem Winkel kauernden Schatten fort und die Wandnische wurde augenblicklich nichts weiter
als ein leerer Raum. Aber kaum wieder im Dunkeln ermächtigten sich die Schatten der fahlen Lichter, die von draußen durchs Fenster auf die Wände projeziert wurden. Die Schattenwelt existiert immer. Licht
aber erblüht und verwelkt wie eine Blüte, vermag eine Seele zu erwärmen, aber zugleich auch mit ihrer blendenden, gleißenden Fülle zum Erblinden zu führen. Die unheimliche Stille, die
simple Schatten in sich bergen, ist Mysterium und Schönheit zugleich. Wahre Schönheit offenbart nicht alles, sondern bewahrt sich seine Geheimnisse.
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